Das Konzept des Kommunismus ruft oft hitzige Debatten hervor, insbesondere wenn es um die Frage der Innovation geht. Viele Kritiker behaupten, der Kommunismus bremse Innovationen, da er Anreize für persönliches Eigentum und Profit eliminiere. Um diese Behauptung zu verstehen, müssen wir uns nicht nur die Unterscheidung zwischen Produktionsmitteln und persönlichem Besitz ansehen, sondern auch das Menschenbild dahinter beleuchten.
Produktionsmittel vs. Persönlicher Besitz: Eine fundamentale Trennung
Zunächst zur Klarstellung des Kerns: Der Kommunismus nach Marx zielt nicht darauf ab, den Menschen ihre persönlichen Besitztümer wegzunehmen. Deine Zahnbürste, dein privates Auto, deine Möbel oder dein Eigenheim bleiben dein. Es geht um die Produktionsmittel – also all jene Dinge (Fabriken, Maschinen, Rohstoffe, große Landwirtschaftsflächen, Finanzen), die dazu dienen, Waren und Dienstleistungen in großem Maßstab zu produzieren und Profite zu erwirtschaften.
Das Ziel der kommunistischen Theorie ist es, diese Produktionsmittel aus dem Privatbesitz zu überführen. Die Idee ist, dass dadurch die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung beendet und eine gerechtere Verteilung von Wohlstand ermöglicht wird, da der erwirtschaftete Mehrwert der Gemeinschaft zugutekommt und nicht nur den Eigentümern der Produktionsmittel.
Das Menschenbild hinter der Innovationskritik
Die Kritik, dass Kommunismus Innovationen hemmt, basiert oft auf einem bestimmten Menschenbild:
- Der egoistische Rationalist: Dieses Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch primär durch finanzielle Anreize und den Wunsch nach persönlichem Besitz angetrieben wird. Der Homo Oeconomicus strebt stets nach Maximierung des eigenen Nutzens und ist nur bereit, Mühen auf sich zu nehmen, wenn er direkten, materiellen Gewinn daraus zieht.
- Der Konkurrenzkämpfer: Hier wird angenommen, dass Wettbewerb der stärkste Motor für Fortschritt und Innovation ist. Wenn Unternehmen nicht darum konkurrieren müssen, bessere Produkte zu entwickeln, um Marktanteile zu gewinnen oder größere Profite zu erzielen, schwindet der Anreiz zur Innovation.
- Der Besitz-Motivierte: Die Idee, ein Unternehmen zu gründen und mit einer neuen Erfindung reich zu werden, gilt als die treibende Kraft hinter Kreativität und Erfindergeist. Wenn dieser Weg zum Reichtum versperrt ist, so die Annahme, verschwindet auch der Innovationsdrang.
Wenn man dieses Menschenbild zugrunde legt, ist die Schlussfolgerung, dass der Kommunismus Innovationen bremst, logisch. Denn ein System, das private Profitmaximierung und das Anhäufen von Produktionsmitteln verhindert, nimmt nach dieser Ansicht dem Menschen seine primären Motivationen für kreative Leistung.
Eine andere Perspektive: Was motiviert noch?
Verfechter kommunistischer oder sozialistischer Ideen argumentieren, dass Innovation nicht allein aus Profitgier entsteht. Sie verweisen auf andere Motivationen:
- Altruismus und Gemeinschaftssinn: Der Wunsch, der Gesellschaft zu dienen, Probleme zu lösen und das Leben für alle zu verbessern.
- Wissenschaftliche Neugier: Der reine Drang nach Wissen und Entdeckung. Viele Grundlagenforschungen, die die Basis für spätere Innovationen bilden, geschehen aus dieser Neugier heraus, oft in staatlich finanzierten Einrichtungen.
- Anerkennung und Prestige: Der Wunsch, für Leistungen anerkannt zu werden, Ehre zu erhalten oder einen bleibenden Beitrag zu hinterlassen.
- Schöpferischer Drang: Die intrinsische Freude am Schaffen und Problemlösen, unabhängig vom finanziellen Ertrag.
Das Debatte über Innovation im Kommunismus ist somit auch eine Debatte über das menschliche Wesen: Sind wir primär von materiellem Gewinn getrieben, oder gibt es andere, vielleicht sogar stärkere, Antriebe, die den Fortschritt vorantreiben können? Die Antwort auf diese Frage ist entscheidend für die Bewertung der Innovationsfähigkeit eines Systems, das die Produktionsmittel vergesellschaftet.