Das Wort “Kommunismus” wird heute oft synonym für Länder wie China oder Nordkorea verwendet, was bei vielen für Verwirrung sorgt. Diese Staaten werden als kommunistisch bezeichnet, aber ihre politische Struktur scheint oft im Widerspruch zu der eigentlichen Theorie zu stehen. Was ist also die moderne Definition des Kommunismus, und wie passen diese Länder in das Bild?
Eine kurze Definition: Was ist Kommunismus?
Im Kern ist Kommunismus eine sozio-politische und ökonomische Ideologie. Ihr Ziel ist eine klassenlose Gesellschaft, in der die Produktionsmittel (wie Fabriken und Rohstoffe) in gemeinschaftlichem Besitz sind und nicht im privaten. Der Kerngedanke, der von Denkern wie Karl Marx geprägt wurde, ist die Überwindung des Kapitalismus und die Schaffung einer Gesellschaft, in der die Menschen frei von wirtschaftlicher Ausbeutung sind.
Der Idealzustand, der “reine Kommunismus”, sieht die Abschaffung von Privateigentum, das Ende von Klassenunterschieden und, entscheidend, das Absterben des Staates vor. Der Staat, als Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse, wird in dieser Vision überflüssig.
Das Paradoxon: Der Staat als zentrales Element
Hier liegt der fundamentale Widerspruch zur Realität. Während die Theorie das Ende des Staates vorsah, wurden die meisten sogenannten “kommunistischen” Länder von extrem starken, zentralisierten und autoritären Staatsapparaten regiert. Anstatt abzusterben, wuchs der Staat zu einem allgegenwärtigen Kontrollinstrument an.
Diese politischen Systeme, die auch als “Realsozialismus” oder “Staatssozialismus” bezeichnet werden, haben sich aus marxistischen und leninistischen Ideologien entwickelt, aber sie haben die ursprünglich angestrebten Ideale oft zugunsten von Macht und Kontrolle aufgegeben.
Warum diese Staaten oft rechts-konservative Züge tragen
Obwohl sie sich selbst als kommunistisch bezeichnen, haben die autoritären Strukturen dieser Staaten oft mehr mit rechten oder konservativen Ideologien gemein als mit den links-progressiven Zielen des Kommunismus. Das liegt an folgenden Merkmalen:
- Nationalismus und Patriotismus: Viele dieser Regime nutzen einen starken Nationalismus und Patriotismus, um die Bevölkerung zu einen und von internen Problemen abzulenken. Das ist ein klassisches Merkmal von autoritären Regimen und steht im Kontrast zum internationalistischen Ansatz des Marxismus (“Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”).
- Staatliche Kontrolle über alles: Anstatt dem Volk die Kontrolle zu geben, übt der Staat totale Kontrolle über die Wirtschaft, die Medien, die Bildung und oft auch das Privatleben aus. Dies ist ein Merkmal des Autoritarismus, der in starkem Gegensatz zur theoretischen Vision einer dezentralisierten, vom Volk geführten Wirtschaft steht.
- Wahrung der sozialen Ordnung: Diese Regime legen großen Wert auf Stabilität, soziale Hierarchien und die Unterdrückung von Andersdenkenden. Jede Form von politischem Dissens wird als Bedrohung der staatlichen Ordnung angesehen. Diese konservative Haltung gegenüber sozialer und politischer Veränderung steht in direktem Widerspruch zu den revolutionären, progressiven Idealen des Kommunismus.
- Wirtschaftlicher Wandel: Länder wie China haben in den letzten Jahrzehnten eine wirtschaftliche Öffnung erlebt, die sie zu einem Hybridsystem aus starker politischer Kontrolle und marktwirtschaftlichen Prinzipien gemacht hat. Dieses Modell des “Staatskapitalismus” hat kaum etwas mit dem kommunistischen Ideal der kollektiven Eigentümerschaft zu tun und trägt eher Züge einer von oben gelenkten, kapitalistischen Wirtschaft.
Das Etikett “kommunistisch” bezieht sich bei diesen Ländern also in der Regel auf die historische Herkunft der herrschenden Partei. Ihr aktuelles politisches System ist jedoch eine Form des Autoritarismus, die Merkmale von Nationalismus, Staatskapitalismus und sozialem Konservatismus aufweist – Eigenschaften, die man im Kern nicht in der ursprünglichen Theorie des Kommunismus findet.